
Stand: 22 Januar 2026 – Nach dem Abzug des Zyklon Harry steht Sizilien vor den Trümmern einer der schwersten Sturmkatastrophen der letzten Jahrzehnte. Während sich die Wetterlage inzwischen beruhigt hat, wird das wahre Ausmaß der Zerstörung nun erst sichtbar. Entlang weiter Teile der Ost- und Südküste sind Küstenanlagen, Straßen, Gebäude und touristische Einrichtungen schwer beschädigt oder vollständig zerstört. Behörden sprechen von einer historischen Naturkatastrophe mit langfristigen Folgen für die Insel.
Vor allem die ionische Küste zwischen Messina und Syrakus zeigt massive Schäden. In Orten wie Santa Teresa di Riva, Furci Siculo oder entlang der Küste bei Catania sind ganze Strandabschnitte verschwunden, Promenaden weggerissen und Hafenanlagen unbrauchbar geworden. Fischerboote liegen zerstört auf Straßen, während Hotels und Strandbäder teilweise unrettbar beschädigt sind.
Auch im Raum Ragusa und im Süden der Insel meldeten Gemeinden schwere Verwüstungen. Dort sorgten Sturmfluten und Starkregen für Überflutungen in Wohngebieten, während Hangrutsche mehrere Landstraßen blockierten. In einigen ländlichen Regionen sind Ortschaften noch immer nur eingeschränkt erreichbar.
Als zentrale Ursache für das außergewöhnliche Schadensbild gelten die extremen Wellenhöhen und Windgeschwindigkeiten, die der Zyklon Harry vor Sizilien entwickelte. Nach Auswertungen regionaler Wetterdienste erreichten die Wellen entlang der Ostküste zeitweise Höhen von bis zu acht bis zehn Metern, insbesondere vor der ionischen Küste zwischen Messina und Catania.
Diese außergewöhnlich hohen Wellen drangen weit in Hafenanlagen und Küstenorte vor, rissen Molen, Uferbefestigungen und Promenaden mit sich und schleuderten Boote auf Straßen und in Wohngebiete. In mehreren Küstenorten wurden selbst massive Betonbauwerke unterspült oder beschädigt.
Begleitet wurde dieser extreme Seegang von orkanartigen Windböen, die örtlich Geschwindigkeiten von über 120 bis 140 km/h erreichten. In exponierten Lagen wurden vereinzelt noch höhere Spitzenwerte registriert. Diese Böen entwurzelten Bäume, deckten Dächer ab und führten zu großflächigen Stromausfällen.
Meteorologen führen die ungewöhnliche Intensität auf eine seltene Kombination aus starkem Druckgefälle, außergewöhnlich warmer Meeresoberfläche und instabiler Luftschichtung zurück – Bedingungen, wie sie sonst eher aus tropischen Wirbelsturmgebieten bekannt sind.
Provinz Messina – Besonders schwer getroffen
Die Provinz Messina zählt zu den am stärksten betroffenen Regionen des Ciclone Harry. Entlang der ionischen Küste wurden zahlreiche Uferabschnitte zerstört, Promenaden weggerissen und Hafenanlagen beschädigt. In Orten wie Santa Teresa di Riva, Furci Siculo und Roccalumera drangen meterhohe Wellen bis in Wohngebiete vor. Fischerboote wurden auf Straßen geschleudert, mehrere Küstenstraßen blieben unpassierbar. Auch die Bahnverbindung entlang der Küste war zeitweise unterbrochen, was den regionalen Verkehr erheblich beeinträchtigte.
Provinz Catania – Küste und Infrastruktur stark beschädigt
In der Provinz Catania traf der Sturm vor allem die Küstenzonen rund um die Stadt sowie kleinere Badeorte südlich davon. Die Kombination aus Sturmflut und Orkanböen führte zu Überflutungen in tiefer gelegenen Stadtteilen und zu erheblichen Schäden an Hafenanlagen und Promenaden. Teile der Küstenstraße mussten gesperrt werden, zudem kam es zu Ausfällen im öffentlichen Nahverkehr. Auch der Hafen von Catania war zeitweise nur eingeschränkt nutzbar.
Provinz Siracusa – Schäden in Häfen und Altstädten
Siracusa und die umliegenden Küstengemeinden meldeten schwere Schäden an maritimer Infrastruktur. Besonders betroffen waren kleinere Häfen und Anlegestellen, die durch den extremen Wellengang beschädigt wurden. In einigen historischen Küstenbereichen kam es zu Unterspülungen, die zusätzliche Sicherungsmaßnahmen erforderlich machten. Die Behörden mussten Teile der Altstadt vorübergehend sperren, um Passanten vor herabstürzenden Bauteilen zu schützen.
Provinz Ragusa – Überschwemmungen und Erdrutsche
Im Süden Siziliens war die Provinz Ragusa vor allem durch Starkregen betroffen. Überflutete Straßen, vollgelaufene Keller und Erdrutsche behinderten die Mobilität in ländlichen Gebieten. Landwirtschaftliche Flächen wurden teils schwer beschädigt, was insbesondere für kleine Betriebe wirtschaftliche Folgen hat. Küstennahe Orte verzeichneten zusätzlich Schäden durch Sturmfluten.
Provinz Agrigent – Küstenabbruch und Tourismusschäden
An der Südküste in der Provinz Agrigent führte der starke Seegang zu Küstenabbrüchen und Schäden an touristischer Infrastruktur. Strandabschnitte wurden teilweise weggespült, mehrere Strandbäder und Zugangswege zerstört. Auch archäologisch sensible Zonen in Küstennähe mussten gesichert werden, um langfristige Schäden zu vermeiden.
Provinz Palermo – Verkehr und Versorgung betroffen
In der Provinz Palermo waren weniger direkte Küstenschäden zu verzeichnen, jedoch führten starke Windböen und Starkregen zu Verkehrsbehinderungen und Stromausfällen, insbesondere im Umland der Hauptstadt. Umgestürzte Bäume blockierten zeitweise Straßen, während mehrere Gemeinden mit Unterbrechungen der Wasserversorgung zu kämpfen hatten.
Provinz Trapani – Sturmschäden an Westküste und Häfen
Trapani meldete Schäden an Hafenanlagen und kleineren Küstenabschnitten, vor allem im Bereich der Ägadischen Küste. Der Fährverkehr zu den vorgelagerten Inseln war zeitweise eingestellt. Auch hier kam es zu Einschränkungen im Fischerei- und Tourismussektor.
Provinz Enna und Caltanissetta – Binnenland weniger betroffen
Die zentralen Provinzen Enna und Caltanissetta blieben von den direkten Sturmfluten weitgehend verschont, litten jedoch unter Starkregen, aufgeweichten Böden und kleineren Erdrutschen. Mehrere Landstraßen mussten vorsorglich gesperrt werden, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.
Nach dem Sturm kämpfen die Behörden mit erheblichen infrastrukturellen Problemen. Zahlreiche Bahnverbindungen mussten vorübergehend eingestellt werden, insbesondere auf der Achse Messina–Catania–Siracusa. Auch mehrere Staats- und Provinzstraßen bleiben gesperrt, da Unterspülungen und Erdrutsche sie unpassierbar gemacht haben.
Strom- und Wasserversorgung waren in vielen Gemeinden stunden- oder tagelang unterbrochen. Erst nach und nach werden Netze stabilisiert, während Reparaturtrupps rund um die Uhr im Einsatz sind, um die Grundversorgung sicherzustellen.
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Die Regionalregierung Siziliens geht inzwischen von Schäden in Höhe von über einer Milliarde Euro aus. Besonders hart trifft es den Tourismus, eine der tragenden Säulen der sizilianischen Wirtschaft. Zahlreiche Hotels, Ferienanlagen und Strandbetriebe können vorerst nicht öffnen oder mussten Buchungen stornieren.
Auch die Landwirtschaft ist betroffen: Überflutete Felder, zerstörte Gewächshäuser und weggespülte Ernten verschärfen die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe, insbesondere in den Küstenregionen und im Südosten der Insel.
Die sizilianische Regionalregierung hat den nationalen Notstand beantragt und erste Mittel für Soforthilfe freigegeben. Parallel dazu wurde die Protezione Civile mit einer strukturierten Schadensaufnahme beauftragt, um gezielt staatliche Wiederaufbauhilfen beantragen zu können.
Aus Rom wurden zusätzliche Mittel zugesagt, insbesondere für den Wiederaufbau von Verkehrswegen, Küstenschutzanlagen und kommunaler Infrastruktur. Gleichzeitig wächst der politische Druck, künftig stärker in präventive Schutzmaßnahmen zu investieren, um die Insel besser auf extreme Wetterlagen vorzubereiten.
Für Reisende gilt derzeit besondere Vorsicht. Zwar ist Sizilien grundsätzlich wieder bereisbar, doch in mehreren Küstenorten bestehen weiterhin Einschränkungen. Urlauber sollten sich vor Anreise über lokale Sperrungen informieren und bei der Unterkunft gezielt nach der aktuellen Lage fragen.
Strandabschnitte, Promenaden und Häfen können noch instabil sein, weshalb von eigenmächtigen Erkundungen beschädigter Zonen dringend abzuraten ist. Wer flexibel plant und alternative Ausflugsziele im Inselinneren berücksichtigt, kann dennoch sicher reisen.
Der Zyklon Harry gilt bereits jetzt als Wendepunkt für die Diskussion über Klimaanpassung in Sizilien. Meteorologen und Umweltexperten warnen, dass vergleichbare Extremereignisse künftig häufiger auftreten könnten. Der Wiederaufbau wird daher nicht nur als Reparaturmaßnahme verstanden, sondern zunehmend als Chance, die Insel widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu gestalten.
Küstenschutz, nachhaltige Stadtplanung und moderne Entwässerungssysteme rücken damit stärker in den Fokus der politischen Agenda.