Festa di San Paolo in Palazzolo Acreide: Impressionen vom Patronatsfest

Ende Juni verwandelt sich Palazzolo Acreide, die stille Barockstadt im Hinterland der Provinz Syrakus, für einige Tage in eine Bühne aus Licht, Rauch und Gesang: die Festa di San Paolo, das Fest zu Ehren des Stadtpatrons. Wer in diesen Tagen nicht vor Ort sein konnte, soll mit diesem Rückblick zumindest einen Eindruck bekommen, was in den engen Gassen der UNESCO-Stadt jedes Jahr passiert – und warum das Fest weit über die Grenzen des Val di Noto hinaus bekannt ist.

Die Festa di San Paolo wird in Palazzolo Acreide zweimal im Jahr begangen: im Winter, rund um den 25. Januar, als stille, von der Landwirtschaft geprägte Bittfeier für ein gutes Erntejahr, und im Sommer, zwischen dem 27. und 29. Juni, als das große, öffentliche Fest mit Prozession, Musik und Feuerwerk. Die Sommerfestlichkeiten sind es, die Palazzolo Acreide seinen Ruf als eines der eindrücklichsten Patronatsfeste Siziliens eingebracht haben – die Feier ist wegen ihrer Bedeutung und ihrer langen, ununterbrochenen Tradition in die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen worden.

Auf einen Blick

  • Was: Festa di San Paolo Apostolo, sommerliches Patronatsfest von Palazzolo Acreide
  • Wann: traditionell 27. bis 29. Juni, mit Vorlauf ab Ende Juni und begleitendem Kulturprogramm bis in den Juli hinein
  • Wo: Basilika San Paolo und historisches Zentrum von Palazzolo Acreide, Provinz Syrakus
  • Status: als immaterielles Kulturerbe der UNESCO gelistet
  • Charakter: religiöses Volksfest mit jahrhundertealten Ritualen, Musik, Feuerwerk und Streetfood
  • Zweites Fest: stillere Winterfeier rund um den 25. Januar

Der Auftakt: Wallfahrt und Giro di Gala

Die Festtage beginnen mit einer Wallfahrt in die Ortsflur „San Pauluzzu“, einem kleinen, dem Heiligen geweihten Ort außerhalb der Stadt. Am Vorabend des Patronatstags zieht dann der sogenannte Giro di Gala durch die Stadt: Standarten, Fahnen, ein historisches berittenes Ehrenkommando und die „tammurinari“ – Trommler in traditioneller Tracht – begleiten die Blaskapelle durch die geschmückten Gassen. Es ist ein Bild aus Farben und Klang, das die Stadt schon Stunden vor dem eigentlichen Höhepunkt in Festtagsstimmung versetzt.

„A Sciuta ra cammira“ – die Verhüllung fällt

Am Abend des 28. Juni erreicht die Vorfreude einen ersten Höhepunkt: Bei der „A Sciuta ra cammira“ wird die jahrhundertealte, aus dem 16. Jahrhundert stammende Statue des heiligen Paulus enthüllt. Die Gläubigen begrüßen den Moment mit lautem Jubel und traditionellen Rufen – ein Augenblick, der in Palazzolo Acreide seit Generationen genauso abläuft und der zeigt, wie sehr die Stadt mit ihrem Patron verbunden ist.

Der Tag des Patrons: Brotumzug und Cuddure

Der 29. Juni, der eigentliche Festtag, beginnt mit der Segnung und Verteilung der „Spiga di San Paulu“, einer Getreideähre, und mit dem „U giro ro pani“ – dem Brotumzug. Ein kleiner, von Gläubigen von Hand gezogener Karren sammelt dabei die traditionellen Cuddure ein: große, ringförmige Brote, die mit Teigschlangen verziert und mit einer roten Schleife versehen sind. Sie werden gesegnet und anschließend auf dem Kirchplatz verkauft. Die Schlangenmotive verweisen auf eine alte Legende, nach der Paulus von einer Giftschlange gebissen wurde, ohne Schaden zu nehmen – seither gilt er in der lokalen Tradition als Schutzpatron gegen Schlangenbisse. Dass das Fest in die Erntezeit fällt, ist kein Zufall: Die großen Brotlaibe wurzeln in der bäuerlichen Dankeskultur der Region.

Die „Sciuta“ – Höhepunkt des Festes

Der eigentliche Höhepunkt ist die Sciuta selbst: der feierliche Auszug der Statue und der Reliquie aus der Basilika, begleitet von Böllerschüssen und einem Regen aus bunten Papierstreifen, den „’nzareddi“. Rauch, Farbe und Lärm verschmelzen zu einem Bild, das viele Besucher als das intensivste Fest-Erlebnis in dieser Ecke Siziliens beschreiben. Am Nachmittag und Abend wird die Statue in einer Prozession durch die Altstadt getragen; einer der bewegendsten Momente dabei ist ein altes Ritual, bei dem Kinder auf die Trageplattform gehoben und dem Heiligen zum Schutz anvertraut werden. Am Abend kehrt die Statue nach einer zweiten Prozession in die Kirche zurück, bevor das Fest mit Musik und einem abschließenden Feuerwerk endet.

Warum das Fest so besonders wirkt

Was die Festa di San Paolo von vielen anderen sizilianischen Patronatsfesten unterscheidet, ist die Dichte an eigenständigen, klar benannten Ritualen – vom Giro di Gala über die Sciuta ra cammira und den Brotumzug bis zur Kindersegnung – die alle einen festen Platz im Ablauf haben und von der Bevölkerung aktiv mitgetragen werden. Der Kult um San Paolo in Palazzolo Acreide reicht dabei vermutlich weiter zurück als seine offizielle Ernennung zum Stadtpatron im Jahr 1688. Für Kultur- und Traditionsinteressierte, die authentisches sizilianisches Volksleben abseits der großen Touristenströme suchen, gehört das Fest zu den eindrücklichsten Terminen im sizilianischen Festkalender – für alle, die Menschenmengen, Lärm und religiöse Intensität eher meiden, ist es dagegen kein leiser Termin.

Die Festa di San Paolo im Video

Die folgenden Videos vermitteln einen Eindruck von Klang, Farbe und Stimmung des Festes – von der Enthüllung der Statue bis zur Sciuta mit Böllern und buntem Papierregen. Sie sollen einen kleinen Einblick geben für alle, die selbst nicht dabei sein konnten.

Palazzolo Acreide abseits des Festes

Wer die Festtage verpasst hat, kann Palazzolo Acreide auch außerhalb des Festkalenders besuchen: Die Barockstadt liegt oberhalb des Val di Noto in den Bergen der Provinz Syrakus und punktet vor allem mit ihrer Ruhe im Vergleich zum stärker frequentierten Noto oder Syrakus. Direkt vor den Toren der Stadt liegt der antike Ausgrabungsort Akrai mit seinem gut erhaltenen griechischen Theater – ein naheliegender Programmpunkt für einen kombinierten Tagesausflug, ob rund um das Fest oder zu jeder anderen Jahreszeit.

Häufige Fragen

Wann findet die Festa di San Paolo in Palazzolo Acreide statt?

Das große Sommerfest liegt traditionell zwischen dem 27. und 29. Juni, mit einem Vorlauf ab Ende Juni und Begleitveranstaltungen teils bis in den Juli hinein. Eine zweite, stillere Feier findet rund um den 25. Januar statt.

Kann man als Reisender am Fest teilnehmen, ohne gläubig zu sein?

Ja. Die Festa ist ein öffentliches Stadtfest, an dem auch Besucherinnen und Besucher ohne religiösen Hintergrund willkommen sind – wichtig ist, den religiösen Charakter der zentralen Rituale zu respektieren.

Was hat es mit den „Cuddure“ auf sich?

Cuddure sind große, ringförmige Brote mit Teigschlangen-Dekoration, die während des Festes gesegnet und verkauft werden. Sie gehen auf eine Legende zurück, nach der der heilige Paulus einen Schlangenbiss überlebte, und stehen zugleich für die bäuerliche Dankbarkeit zur Erntezeit.

Ist Palazzolo Acreide auch außerhalb der Festtage einen Besuch wert?

Ja. Die Barockstadt mit dem antiken Ausgrabungsort Akrai vor den Toren eignet sich das ganze Jahr über als ruhigere Alternative zu Noto oder Syrakus.


Rückblick mit Stand 3. Juli 2026, zusammengetragen aus mehreren sizilianischen Kultur- und Reiseportalen. Termine, Ablauf und Details des Festes können von Jahr zu Jahr leicht variieren – vor einem Besuch beim nächsten Termin empfiehlt sich eine aktuelle Prüfung über die offiziellen Kanäle der Stadt und der Festgemeinschaft.