Römisches Schiffswrack mit 500 Amphoren vor Mazara del Vallo entdeckt

Symbolbild: Reise-News und aktuelle Meldungen aus Sizilien

Vor der Küste von Mazara del Vallo im Westen Siziliens haben Carabinieri und die sizilianische Meeres-Soprintendenz ein römisches Schiffswrack mit hunderten Amphoren entdeckt. Der Kulturminister spricht von einem der bedeutendsten Unterwasserfunde der vergangenen Jahre. Was bislang bekannt ist – und was der Fund für die Geschichte des antiken Mittelmeerhandels bedeutet.

Der Fund im Überblick

  • Was: gut erhaltenes römisches Schiffswrack mit hunderten Amphoren
  • Lage: rund drei Seemeilen vor der Küste von Mazara del Vallo (Provinz Trapani)
  • Tiefe: 46 Meter
  • Datierung: 2. bis 1. Jahrhundert vor Christus
  • Ladung: hunderte Amphoren, überwiegend vom Typ Dressel 1A, dazu zwei bleierne Ankerschäfte und ein weiteres Bleiobjekt
  • Entdeckt von: Carabinieri-Kunstschutzeinheit TPC Palermo, Carabinieri-Taucheinheit Messina und die sizilianische Soprintendenza del Mare, unterstützt von der Carabinieri-Küstenwache Trapani
  • Auslöser: Hinweis aus der Bevölkerung
  • Bekanntgabe: 8. August 2026

Wie der Fund gemacht wurde

Den Ausschlag für die Entdeckung gab ein Hinweis aus der Bevölkerung: Nach einer entsprechenden Meldung nahmen die Kunstschutzeinheit (TPC) der Carabinieri aus Palermo gemeinsam mit der Carabinieri-Taucheinheit aus Messina und der zuständigen Soprintendenza del Mare der Region Sizilien eine gemeinsame Unterwasserbegehung vor, unterstützt von einem Boot der Carabinieri aus Trapani. Rund drei Seemeilen vor Mazara del Vallo, in 46 Metern Tiefe, stießen die Taucher auf den Wrackplatz.

Nach ersten Berichten italienischer Medien ist das Wrack überraschend gut erhalten, ohne größere strukturelle Zerstörung. Die Soprintendenza del Mare kündigte an, den Fundort weiter zu dokumentieren, den archäologischen Kontext zu rekonstruieren und geeignete Schutzmaßnahmen für die Fundstelle festzulegen.

Die Ladung: hunderte Amphoren vom Typ Dressel 1A

Am Meeresboden liegen nach übereinstimmenden Berichten hunderte Amphoren – Medienberichte sprechen von rund 500 Stück –, überwiegend vom Typ Dressel 1A. Dieser Amphorentyp war im 2. und 1. Jahrhundert vor Christus im Handel zwischen der italienischen Halbinsel und dem westlichen Mittelmeerraum weit verbreitet und wurde vor allem für den Transport von Wein genutzt, teils auch für Öl oder andere Lebensmittel. Zusätzlich zur Ladung entdeckten die Taucher zwei bleierne Ankerschäfte sowie ein weiteres Bleiobjekt – Hinweise auf die Takelage des gesunkenen Schiffs.

Die Datierung auf das 2. bis 1. Jahrhundert vor Christus fällt in eine Zeit intensiven römischen Seehandels im Kanal von Sizilien, einer der am dichtesten befahrenen Routen der Antike zwischen Italien, Sizilien und Nordafrika. Schiffswracks aus dieser Zeit gelten als wichtige Quellen für die Rekonstruktion antiker Handelsrouten, da ihre Ladung – anders als Landfunde – oft ungestört und in ihrem ursprünglichen Zusammenhang erhalten bleibt.

»Eine der wichtigsten Unterwasserentdeckungen der letzten Jahre«

Italiens Kulturminister Alessandro Giuli äußerte sich nach Bekanntwerden des Fundes: Das Meer gebe der Geschichte immer wieder kostbare Fragmente zurück, sagte er sinngemäß, und bezeichnete die Entdeckung als eine der bedeutendsten Unterwasserfunde der vergangenen Jahre. Er würdigte zugleich die Kompetenz und den Einsatz der beteiligten Carabinieri-Einheiten und der regionalen Behörden.

Für die Forschung ist besonders relevant, dass das Wrack samt Ladung weitgehend intakt geborgen werden konnte, ohne dass Plünderer oder unkontrollierte Eingriffe den Fundkontext zerstört haben – ein Umstand, der in den vergangenen Jahren bei Unterwasserfunden im Mittelmeer nicht selbstverständlich ist.

Wie geht es weiter?

Die Soprintendenza del Mare hat angekündigt, die Fundstelle weiter zu untersuchen und zu dokumentieren, um den archäologischen Kontext vollständig zu rekonstruieren. Ob und wann Teile der Ladung geborgen und ausgestellt werden, ist noch offen. Bis dahin gilt die Fundstelle als geschützter archäologischer Bereich – eine touristische Besichtigung ist in 46 Metern Tiefe ohnehin nur mit technischer Tauchausrüstung realistisch und nicht für den Freizeittauchsport vorgesehen.

Mazara del Vallo: Stadt mit maritimer Fundgeschichte

Der neue Fund reiht sich in eine Reihe bedeutender Meeresfunde vor der Küste Mazaras ein. Weltberühmt wurde die Stadt bereits 1997/98, als ein Fischkutter aus Mazara in rund 400 Metern Tiefe den »Satiro danzante« barg, eine hellenistische Bronzestatue, die heute im Museo del Satiro in der Altstadt zu sehen ist. Nördlich davon, im Museo Lilibeo in Marsala, liegt mit dem punischen Kriegsschiff der zweite große Schiffsfund der Region. Wer die Gegend besuchen möchte: Alle Details zu Anreise, Kasbah, Kathedrale und Fischereihafen gibt es auf unserer Ortsseite zu Mazara del Vallo.

Video: Der Fund vor Mazara del Vallo

Häufige Fragen zum Schiffswrack vor Mazara del Vallo

Was wurde vor Mazara del Vallo gefunden?

Ein gut erhaltenes römisches Schiffswrack aus dem 2. bis 1. Jahrhundert vor Christus mit hunderten Amphoren, überwiegend vom Typ Dressel 1A, sowie zwei bleiernen Ankerschäften.

Wo genau liegt das Wrack und wie tief?

Rund drei Seemeilen vor der Küste von Mazara del Vallo in der Provinz Trapani, in 46 Metern Tiefe – außerhalb der Reichweite des touristischen Sporttauchens.

Wer hat den Fund gemacht?

Die Kunstschutzeinheit (TPC) der Carabinieri aus Palermo, die Carabinieri-Taucheinheit aus Messina und die Soprintendenza del Mare der Region Sizilien, unterstützt von der Carabinieri-Küstenwache Trapani – ausgelöst durch einen Hinweis aus der Bevölkerung.

Was sind Dressel-1A-Amphoren?

Ein im 2. und 1. Jahrhundert vor Christus verbreiteter Amphorentyp aus dem italienisch-römischen Handel, meist für den Transport von Wein genutzt und ein wichtiger Indikator für antike Mittelmeer-Handelsrouten.

Kann man das Wrack besichtigen oder wird es geborgen?

Eine Bergung ist bislang nicht angekündigt. Die Soprintendenza del Mare dokumentiert zunächst die Fundstelle und legt Schutzmaßnahmen fest; in 46 Metern Tiefe ist die Stelle für den Freizeittauchsport ohnehin nicht zugänglich.

Gibt es weitere berühmte Meeresfunde bei Mazara del Vallo?

Ja – der bekannteste ist der »Satiro danzante«, eine hellenistische Bronzestatue, die 1997/98 von einem Fischkutter aus Mazara geborgen wurde und heute im Museo del Satiro in der Stadt zu sehen ist.

Quellen und Stand: Berichterstattung italienischer Medien vom 8. August 2026 (u. a. La7, Il Giornale, LaPresse, Sardegna Oggi) sowie Aussagen von Kulturminister Alessandro Giuli. Angaben nach bestem Kenntnisstand zum Redaktionsschluss – für den weiteren Verlauf der Untersuchung ist die Soprintendenza del Mare der Region Sizilien maßgeblich.