Museo del Satiro (Mazara del Vallo): Tickets, Zeiten & der Fund

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Kurz gesagt: Das Museo del Satiro Danzante in Mazara del Vallo zeigt eine hellenistische Bronze, die 1997 und 1998 aus rund 400 Metern Tiefe im Kanal von Sizilien gefischt wurde — einen tanzenden Satyr in ekstatischer Drehung. Erwartungsmanagement vorweg: Das Museum besteht im Kern aus einem einzigen Saal. Dafür ist es täglich von 9 bis 20 Uhr geöffnet, ohne Ruhetag, und kostet 8 Euro. Kombiniere den Besuch mit Kasbah, Kathedrale und Fischereihafen zu einem halben Tag.

Aktuell: Vor Mazara del Vallo wurde ein römisches Schiffswrack mit hunderten Amphoren entdeckt – alle Details zum Fund.

Quick-Facts

  • Art: Ein-Objekt-Museum in der entweihten Chiesa di Sant Egidio
  • Adresse: Piazza Plebiscito, Mazara del Vallo (historisches Zentrum)
  • Träger: Parco archeologico di Selinunte, Cave di Cusa e Pantelleria (Assessorato dei Beni Culturali, Regione Siciliana) — seit 2019
  • Eintritt: 8 Euro / ermäßigt 4 Euro; erster Sonntag im Monat frei
  • Öffnung: täglich 9–20 Uhr, letzter Einlass 19:15 Uhr, kein Ruhetag, auch an Feiertagen offen
  • Highlight: der Satiro danzante — Bronze, Zuschreibung und Datierung umstritten
  • Dauer: etwa 30–45 Minuten (redaktionelle Einschätzung)
  • Größe: im Wesentlichen ein Saal plus Filmraum — kein Ziel für einen ganzen Tag
  • Tickets: nur an der Kasse vor Ort
  • Auskunft: +39 0923 933917

Warum sich der Besuch lohnt

Es gibt Museen, die eine Sammlung zeigen, und es gibt dieses. Hier steht eine einzige Figur — und sie trägt den Raum. Der Satyr dreht sich auf dem rechten Bein, den Kopf im Nacken, das Haar in der Bewegung. Arme und ein Bein fehlen, und paradoxerweise verstärkt gerade das die Drehung: Was fehlt, ergänzt das Auge automatisch.

Der zweite Grund ist die Geschichte dahinter. Diese Bronze lag über zweitausend Jahre in 400 Metern Tiefe im Kanal von Sizilien, zwischen Pantelleria und Kap Bon — vermutlich Ladung eines gesunkenen Schiffs. Gefunden hat sie kein Archäologe, sondern ein Fischkutter aus Mazara. Am Eingang läuft der Dokumentarfilm über die Bergung durch die Besatzung der Capitan Ciccio; er ist Teil des Besuchs, nicht Beiwerk.

Für wen sich der Besuch eignet

KriteriumGut geeignetEinschränkungen
Antike-Interessierteeine der bedeutendsten hellenistischen Bronzen überhauptnur ein Objekt — der Rest ist Beiwerk
Kurzentschlossenetäglich 9–20 Uhr, kein Ruhetag, kein Anstehen—
Wer wenig Zeit hatin 30–45 Minuten vollständig zu sehen—
Familiender Bergungsfilm fesselt auch Kinderein Saal trägt keinen langen Besuch
Preisbewusste—8 Euro für einen Raum wird regelmäßig kritisiert; für vier Personen sind es 32 Euro
Als Einzelziel—lohnt die Anfahrt allein kaum — besser mit Mazara verbinden
Bei SommerhitzeInnenraum, lange Öffnungszeiten bis abends—

Der Fund — und was die Wissenschaft streitet

Frühjahr 1997: Dem Fischkutter Capitan Ciccio aus Mazara del Vallo geht ein fragmentarisches linkes Bein ins Netz. 4. März 1998: Dasselbe Schiff birgt unter Kapitän Francesco Adragna den Rumpf — ohne zweites Bein, ohne Arme, aus rund 400 Metern Tiefe. Zunächst hielt man die Figur wegen der Haarpracht für einen Aeolus; erst die spitzen Ohren und die Drehbewegung führten zur Deutung als Satyr.

Restauriert wurde die Bronze zunächst in Mazara in entionisiertem Wasser, wegen der Heikelkeit dann am Istituto Centrale per il Restauro in Rom unter Paola Donati. Erste Präsentationen: der Saal der Regina im Palazzo Montecitorio (April bis Juni 2003), danach die Kapitolinischen Museen (Juni/Juli 2003).

Zur Zuschreibung — hier ist Vorsicht geboten. Man liest oft schlicht „Praxiteles“. So einfach ist es nicht:

PositionVertreten von
Werk des Praxiteles, 4. Jahrhundert v. Chr.Paolo Moreno
4. Jahrhundert v. Chr., über eine attische Kylix-ParalleleFilippo Giudice
Römische Kopie eines hellenistischen Originals, nicht vor 300 v. Chr.Salvatore Settis
Hellenistisch, Dekor römischer Villen der späten RepublikEugenio La Rocca
Pergamenisch bzw. spät-hellenistisch, 3. bis 2. Jahrhundert v. Chr.Rosalia Camerata Scorazzo

Selbst der Träger ist sich uneins: Auf derselben Seite steht einmal vorsichtig „der Schule des Praxiteles zuschreibbar“ und wenige Zeilen später „das Meisterwerk des Praxiteles“. Wir bleiben bei der belastbaren Formulierung: Schule des Praxiteles, Zuschreibung und Datierung zwischen dem 4. und 2. Jahrhundert vor Christus umstritten.

Was du sonst noch siehst

Das Museum ist im Kern ein einziger großer Saal. Neben dem Satiro stehen dort:

  • das Bronzefragment eines Elefantenfußes, punisch-hellenistisch — ein Hinweis auf die Kriegselefanten Karthagos;
  • ein mittelalterlicher Bronzekessel;
  • Transportamphoren aus archaischer, klassischer, hellenistischer, punischer, römischer und mittelalterlicher Zeit;
  • zwei Eisenkanonen aus Torretta Granitola sowie korinthische und ionische Kapitelle;
  • am Eingang der Dokumentarfilm über die Bergung.

Die Kirche Sant Egidio — nicht normannisch

Hartnäckig hält sich die Angabe, das Museum sitze in einer Kirche normannischen Ursprungs. Das stimmt nicht. Der Träger datiert den Bau eindeutig auf das 16. Jahrhundert, errichtet von der gleichnamigen Bruderschaft zwischen dem Beginn und dem Ende des Cinquecento.

Woher der Irrtum kommt, ist nachvollziehbar: Die Kuppel auf oktogonalem Tambour von 1578 verbindet arabisch-normannische Stiltraditionen mit Renaissance-Modulen. Das ist eine Stilanleihe, kein Ursprung. Wirklich normannisch ist die Kathedrale von Mazara, ab 1086 unter Roger I. auf den Resten einer Moschee errichtet — sie liegt wenige Minuten entfernt und dürfte die Quelle der Verwechslung sein.

Ein historisches Detail am Rande: Am 21. und 22. Oktober 1860 fand in diesem Gebäude das Plebiszit über den Anschluss an das Königreich Italien statt. Daher der Name Piazza Plebiscito. Die Kirche ist heute entweiht und als Museumsbau adaptiert — deshalb ist der Träger auch nicht die Kirche, sondern die Region.

Tickets, Preise und Öffnungszeiten

Der Eintritt kostet 8 Euro, ermäßigt 4 Euro. Die italienische und die englische Seite des Trägers stimmen überein — ungewöhnlich genug, denn sonst sind die englischen Fassungen meist veralteter. Die kursierenden 7 Euro und 3,50 Euro sowie die 6 Euro aus älteren Rezensionen sind überholt.

Geöffnet ist täglich von 9:00 bis 20:00 Uhr, letzter Einlass 19:15 Uhr, ohne Ruhetag und auch an Sonn- und Feiertagen. Das ist für ein sizilianisches Haus bemerkenswert großzügig — und ein Grund, warum sich das Museum gut in einen Reisetag einfügt. Zur Einordnung: Das Schwesterhaus Castello Grifeo im selben Parco ist montags geschlossen und an Feiertagen nur bis 14 Uhr offen. Wer beides verwechselt, verschenkt einen Besuchstag.

Weil das Museum zum Parco archeologico di Selinunte, Cave di Cusa e Pantelleria und damit zum Assessorato gehört, gilt die sizilianische Tarifordnung:

GruppeRegelungAnmerkung
Erster Sonntag im Monatfreieigene regionale Regelung Siziliens
Unter 18 Jahrenfreiunter 12 nur in Begleitung Erwachsener
EU-Bürger 18–2550 Prozentalso 4 Euro
Über 65voller PreisSizilien kennt keine Seniorenermäßigung
Lehrkräfte, Journalisten, ICOMfreiauch befristet beschäftigte Lehrkräfte
Behinderung + 1 Begleitungfrei—

Tickets gibt es ausschließlich an der Kasse vor Ort. Zu Barrierefreiheit und Fotografieren veröffentlicht der Träger nichts — beides bleibt offen und ist vor Ort zu klären.

Anreise

Das Museum liegt an der Piazza Plebiscito im historischen Zentrum von Mazara del Vallo. Der Bahnhof liegt an der Strecke Alcamo Diramazione–Castelvetrano–Trapani.

Hier müssen wir ehrlich passen: Zu Buslinien, Parkmöglichkeiten und vor allem zum ZTL-Status der Piazza Plebiscito gibt es keine verwertbare offizielle Quelle. Gerade die ZTL-Frage wäre für Mietwagenreisende wichtig — wir erfinden sie aber nicht. Plane sicherheitshalber mit Parken außerhalb des Zentrums und dem Rest zu Fuß; das Zentrum ist kompakt. Allgemein: Bus & Bahn auf Sizilien und Mietwagen auf Sizilien.

Beste Zeit und typische Fehler

Dank der täglichen Öffnung bis 20 Uhr ist das Museum ganzjährig und zu fast jeder Tageszeit möglich. Die häufigsten Fehler:

  • Als Einzelziel anreisen. Ein Saal trägt keine Extraanfahrt. Als Baustein eines Mazara-Halbtags ist er dagegen stark.
  • Ein großes Museum erwarten. Es ist bewusst ein Ein-Objekt-Haus.
  • Mit 7 oder 6 Euro rechnen. Es sind 8.
  • Annehmen, es sei montags zu. Ist es nicht — kein Ruhetag.
  • Die Zuschreibung an Praxiteles für gesichert halten. Sie ist es nicht.

Wiederkehrende Kritikpunkte, die man kennen sollte: das Preis-Leistungs-Verhältnis für einen Raum, repetitive und ungünstig platzierte Beschriftungen, und der Filmraum, der zugleich als Durchgang zu WC und Büro dient. Eine saisonale Einordnung findest du unter Beste Reisezeit für Sizilien.

In der Nähe

  • Die Kasbah von Mazara del Vallo — das arabische Viertel mit dem Grundriss nordafrikanischer Medinas, enge Gassen, fußläufig.
  • Cattedrale del Santissimo Salvatore — ab 1086 unter Roger I. auf den Resten einer Moschee errichtet. Das ist der normannische Bau der Stadt.
  • Museo Civico im Collegio dei Gesuiti, zusammen mit Bibliothek und Historischem Archiv.
  • Porto canale — Heimat der größten Fischereiflotte Italiens; dazu der Lungomare Mazzini.
  • Selinunte — der Hauptstandort desselben Parco archeologico, östlich von Mazara.
  • Museo Lilibeo in Marsala — das punische Schiff, nördlich; der zweite große Meeresfund der Region.
  • Römisches Schiffswrack mit 500 Amphoren vor Mazara del Vallo entdeckt – der neue Fund reiht sich in die maritime Fundgeschichte der Stadt ein.

Häufige Fragen

Was kostet der Eintritt ins Museo del Satiro?

8 Euro regulär, 4 Euro ermäßigt. Die im Netz kursierenden Preise von 7 Euro und 3,50 Euro sowie die 6 Euro aus älteren Rezensionen sind überholt. Die italienische und die englische Seite des Trägers stimmen bei 8 Euro überein.

Wann ist das Museo del Satiro geöffnet?

Täglich von 9:00 bis 20:00 Uhr, letzter Einlass um 19:15 Uhr. Es gibt keinen Ruhetag — auch an Sonn- und Feiertagen ist ganztägig geöffnet. Das ist für ein sizilianisches Museum überdurchschnittlich großzügig. Die verbreitete Sorge, es sei montags zu, trifft hier also nicht zu.

Bekommen Senioren über 65 eine Ermäßigung?

Nein. Das Museum gehört zum Parco archeologico di Selinunte und damit zum sizilianischen Assessorato dei Beni Culturali — dessen Tarifordnung kennt keine Seniorenermäßigung. Über 65 zahlt den vollen Preis. Frei sind Besucher unter 18, Lehrkräfte, Journalisten, ICOM-Mitglieder sowie Menschen mit Behinderung samt einer Begleitperson. EU-Bürger zwischen 18 und 25 zahlen die Hälfte. Am ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt frei.

Wie wurde der Satiro gefunden?

Im Frühjahr 1997 ging dem Fischkutter Capitan Ciccio aus Mazara del Vallo ein fragmentarisches linkes Bein ins Netz. Am 4. März 1998 barg dasselbe Schiff unter Kapitän Francesco Adragna den Rumpf — ohne zweites Bein und ohne Arme, aus rund 400 Metern Tiefe. Fundort war der Kanal von Sizilien zwischen Pantelleria und Kap Bon in Tunesien. Vermutlich stammt die Figur aus der Ladung eines antiken Schiffswracks. Zuerst hielt man sie wegen der Haarpracht für einen Aeolus.

Ist der Satiro wirklich ein Werk des Praxiteles?

Das ist umstritten und sollte nicht als Tatsache dargestellt werden. Paolo Moreno schreibt die Bronze Praxiteles zu und datiert sie ins 4. Jahrhundert vor Christus. Salvatore Settis hält sie für eine römische Kopie eines hellenistischen Originals, nicht vor 300 vor Christus. Eugenio La Rocca sieht sie als hellenistisch, andere als pergamenisch oder spät-hellenistisch. Selbst der Träger schwankt: Auf derselben Seite steht einmal Schule des Praxiteles und wenige Zeilen später Meisterwerk des Praxiteles. Sicher ist nur, dass die Zuschreibung offen ist.

Was zeigt die Figur?

Einen Satyr im Moment der Ekstase des orgiastischen Tanzes, in einer Drehung auf dem rechten Bein. In der Linken hielt er den Kantharos, den Weinkelch, in der Rechten den Thyrsos mit Band und Pinienzapfen; über der Schulter liegt ein Pantherfell. Arme und ein Bein fehlen — was die Drehbewegung eher noch verstärkt.

Ist das Museum sehr klein?

Ja, und das sollte man wissen. Es besteht im Kern aus einem einzigen großen Saal. Am Eingang läuft ein Dokumentarfilm über die Bergung durch die Besatzung der Capitan Ciccio. Neben dem Satiro gibt es das Bronzefragment eines Elefantenfußes, einen mittelalterlichen Bronzekessel, Transportamphoren von der archaischen bis zur mittelalterlichen Zeit, zwei Eisenkanonen aus Torretta Granitola sowie korinthische und ionische Kapitelle. Wiederkehrende Kritik ist das Preis-Leistungs-Verhältnis für einen Raum. Unsere Empfehlung: nicht als Einzelziel anreisen, sondern mit Kasbah, Kathedrale und Fischereihafen zu einem halben Tag verbinden.

Ist die Kirche Sant Egidio normannisch?

Nein — das ist ein verbreiteter Irrtum. Der Träger datiert den Bau auf das 16. Jahrhundert, von Anfang bis Ende des Cinquecento. Die arabisch-normannische Anmutung stammt von der Kuppel auf oktogonalem Tambour von 1578, die entsprechende Stiltraditionen mit Renaissance-Elementen verbindet. Das ist eine Stilanleihe, kein normannischer Ursprung. Normannisch ist dagegen die Kathedrale von Mazara, begonnen 1086 unter Roger I. Die Kirche ist heute entweiht und als Museumsbau adaptiert.

Wie viel Zeit sollte ich einplanen?

Nach unserer Einschätzung 30 bis 45 Minuten für den Saal und den Film. Eine offizielle Angabe des Trägers gibt es nicht.

Kann ich mit dem Auto direkt hinfahren?

Das können wir nicht verlässlich beantworten. Das Museum liegt an der Piazza Plebiscito mitten im historischen Zentrum von Mazara del Vallo. Ob und wann dort eine ZTL gilt und wo man parken kann, veröffentlicht weder der Träger noch eine andere offizielle Quelle in verwertbarer Form. Wir nennen deshalb bewusst keine Angabe, statt eine zu erfinden — plane mit Parken außerhalb des Zentrums.

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Quellen & Aktualisierung

Trägerschaft, Preise, Öffnungszeiten und Ermäßigungen nach den Seiten des Parco archeologico di Selinunte, Cave di Cusa e Pantelleria (Assessorato dei Beni Culturali e dell Identità Siciliana, Regione Siciliana); Angaben zu Fund, Bergung und Restaurierung sowie die Übersicht der wissenschaftlichen Zuschreibungen nach der Dokumentation der Zeitschrift Engramma; Datierung und Baugeschichte der Chiesa di Sant Egidio nach dem Träger. Stand: 16.07.2026. Bewusst offengelassen, weil nicht belegbar: Buslinien, Parken und der ZTL-Status der Piazza Plebiscito, Barrierefreiheit, Fotografierregeln sowie das Jahr, in dem der Satiro endgültig nach Mazara kam (die Quellen nennen 2003 und 2005). Die Zuschreibung an Praxiteles ist in der Forschung umstritten und wird hier nicht als gesichert dargestellt. Eintritt und Öffnungszeiten sind zeitabhängig und vor dem Besuch zu prüfen.