Flughafen Catania ist offen – aber Normalbetrieb sieht anders aus

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Seit Samstag, dem 15. August, 14 Uhr, starten und landen in Catania wieder Flugzeuge. Nach neun Tagen, in denen die Aschewolke des Ätna den Betrieb am wichtigsten Flughafen Ostsiziliens immer wieder und zuletzt vollständig lahmgelegt hat, ist das eine gute Nachricht. Sie wird derzeit allerdings vielfach so verkürzt, als sei damit alles wieder in Ordnung. Das ist es nicht. Eine Wiederaufnahme des Betriebs und ein normaler Flugplan sind zwei verschiedene Dinge, und zwischen beiden liegen erfahrungsgemäß mehrere Tage.

Was am Samstag tatsächlich passiert ist

Ausgelöst wurde die Freigabe nicht durch eine Entscheidung des Flughafens, sondern durch die Vulkanlage: Das zuständige Observatorium senkte am Samstagvormittag die Warnstufe für den Luftverkehr von Rot auf Orange, weil keine Aschewolke mehr produziert wurde und sich die Ascheemission auf den Gipfelbereich beschränkte. Daraufhin gab die Flugsicherung die zuvor gesperrten Luftraumsektoren wieder frei, und der Flughafen konnte ab 14 Uhr Ankünfte und Abflüge annehmen.

Der Wiederanlauf verlief gestaffelt. Am schnellsten reagierte Ryanair, die als erste Gesellschaft wieder Maschinen nach Catania schickte – die ersten Ankünfte kamen aus Bologna, Brüssel, Bukarest, Madrid und Pisa, die ersten Abflüge gingen nach Bologna, Brüssel, Bukarest, Rom und Venedig. Andere Fluggesellschaften nahmen den Betrieb erst im Lauf des Abends wieder auf, und einzelne Maschinen wurden auch nach der Freigabe noch nach Comiso umgeleitet. Ein Teil der für Samstag geplanten Flüge blieb gestrichen. Erschwerend kam hinzu, dass die Website des Flughafens zeitweise nicht erreichbar war.

Warum „offen“ nicht „normal“ bedeutet

Ein Flugplan ist ein eng verzahntes System. Wenn es tagelang stillsteht, genügt es nicht, den Schalter wieder umzulegen. Vier Gründe sorgen dafür, dass die Erholung Zeit braucht.

Erstens die Flugzeuge selbst. Maschinen stehen nicht dort, wo der Flugplan sie am Montag erwartet, sondern dort, wo sie die Sperrung überrascht hat – in Palermo, Comiso, auf dem italienischen Festland oder in Mitteleuropa. Jede dieser Maschinen muss erst zurückrotiert werden, oft mit Leerflügen, die keine Passagiere befördern und trotzdem Slots und Bodenzeiten verbrauchen.

Zweitens die Besatzungen. Für Piloten und Kabinenpersonal gelten feste Höchstarbeits- und Mindestruhezeiten, die auch in Ausnahmesituationen nicht überschritten werden dürfen. Nach mehreren Tagen mit verschobenen Umläufen sind viele Crews an Orten gestrandet, an denen sie nicht eingeplant waren, oder haben ihre zulässigen Dienstzeiten ausgeschöpft. Das begrenzt, wie viele Zusatzflüge eine Gesellschaft kurzfristig überhaupt anbieten kann.

Drittens die Warteschlange der Umbuchungen. Nach Angaben aus dem Umfeld des Flughafens warten weiterhin Zehntausende Passagiere auf einen Ersatzflug. Rund 36 Prozent der etwa 1.900 in der Krisenwoche geplanten Flüge wurden annulliert, rund 630 Maschinen auf andere Flughäfen umgeleitet. Diese Menschen konkurrieren jetzt um dieselben Sitzplätze wie diejenigen, die ohnehin für diese Tage gebucht hatten.

Viertens der Zeitpunkt. Die zweite Augusthälfte ist die Rückreisezeit des italienischen Sommers. Der Flugplan war also schon vor der Eruption nahezu vollständig ausgebucht – es gibt kaum freie Sitze, in die umgebucht werden könnte. Genau diese Kombination macht die Erholung nach einer Sperrung Mitte August deutlich zäher als etwa im Oktober.

Was das für Ihre Reise bedeutet

Ihre SituationRealistische EinschätzungWas jetzt sinnvoll ist
Rückflug ab Catania in den nächsten TagenFindet voraussichtlich statt, Verspätungen und kurzfristige Umplanungen bleiben möglichFlugstatus am Reisetag direkt bei der Airline prüfen, deutlich früher am Flughafen sein als sonst
Flug wurde annulliert, noch keine ErsatzverbindungKann sich mehrere Tage hinziehen, weil kaum freie Sitze verfügbar sindAktiv nachfassen statt abwarten; parallel Alternativen über Land oder ab Palermo prüfen
Anreise nach Ostsizilien steht noch bevorMöglich, aber mit Puffer planenAnschlüsse großzügig kalkulieren, Unterkunft über flexible Stornobedingungen absichern
Sie sind zeitlich flexibelBeste AusgangslageRückflug bewusst um ein bis zwei Tage nach hinten legen, solange die Warteschlange abgearbeitet wird
Sie müssen zu einem festen Termin zurückKritischster FallNicht auf einen einzigen Flug verlassen; Bahn- oder Fährverbindung als Rückfallebene mitdenken

Welche Rechte Sie bei Annullierung haben

Hier lohnt eine Unterscheidung, die häufig durcheinandergeht. Eine Aschewolke gilt als außergewöhnlicher Umstand, den die Fluggesellschaft nicht zu verantworten hat. Deshalb entfällt in diesen Fällen die pauschale Ausgleichszahlung, die es bei selbstverschuldeten Annullierungen gäbe.

Das heißt aber ausdrücklich nicht, dass die Airline aus der Verantwortung ist. Die Pflicht zur Betreuung und zur anderweitigen Beförderung bleibt bestehen: Verpflegung, gegebenenfalls Hotelunterbringung und Transfers sowie die Wahl zwischen einer Ersatzbeförderung zum frühestmöglichen Zeitpunkt und der Erstattung des Ticketpreises. Der Europäische Gerichtshof hat das nach dem isländischen Vulkanausbruch von 2010 ausdrücklich bestätigt – auch bei einer tagelangen Luftraumsperrung dürfen Fluggesellschaften diese Betreuungsleistungen nicht zeitlich oder betraglich deckeln.

Praktisch bedeutet das: Belege für Hotel, Verpflegung und Ersatztransport aufbewahren und die Ansprüche schriftlich bei der Fluggesellschaft geltend machen, nicht nur am Schalter. Wer über ein Reisebüro oder als Pauschalreise gebucht hat, wendet sich an den Veranstalter – dort liegt die Verantwortung für die Ersatzbeförderung. Diese Hinweise ersetzen keine Rechtsberatung; bei strittigen Fällen hilft eine Verbraucherzentrale oder ein auf Reiserecht spezialisierter Anwalt weiter.

Alternativen, solange der Flugplan aufholt

Wer nicht auf einen Platz warten möchte, hat mehrere Wege. Der Flughafen Palermo liegt rund drei Stunden von der Ostküste entfernt und hatte während der Krise deutlich mehr Kapazität; Comiso im Südosten ist von Ragusa und dem Val di Noto aus die kürzeste Alternative. Über Land führen Fähren ab Palermo und Messina sowie die Zugverbindungen über die Straße von Messina Richtung Neapel und Rom aufs Festland.

Speziell für die Ostküste haben die Busunternehmen Interbus und Etna Trasporti wegen der Ätna-Lage bis zum 17. August zusätzliche Direktfahrten zwischen Giardini Naxos, Taormina und Palermo eingerichtet: morgens ab Giardini Naxos um 7:30 Uhr und ab Taormina um 8 Uhr mit Ankunft in Palermo gegen 10:30 beziehungsweise 11 Uhr, nachmittags zurück ab Palermo um 14 Uhr. Tickets sollten vorab online gekauft werden. Wer einen Abflug ab Palermo erreichen muss, plant zwischen Ankunft am Busbahnhof und Check-in noch einmal mindestens zwei Stunden für den Transfer zum Flughafen ein.

Welche Route im Einzelfall realistisch ist, hängt vom Ausgangsort und vom Zeitfenster ab. Eine strukturierte Übersicht der Alternativrouten mit Fahrzeiten und Umstiegen finden Sie in unserem Kompass für Alternativrouten bei Flugausfall, einen allgemeinen Überblick zu Anreise und Fortbewegung auf der Seite Mobilität auf Sizilien.

Wie lange dauert es noch?

Eine seriöse Prognose auf den Tag genau gibt es nicht, weil sie von zwei unabhängigen Faktoren abhängt. Der erste ist der Vulkan: Die Aktivität ist deutlich abgeklungen, der vulkanische Tremor liegt wieder im niedrigen Bereich, und die Bodenverformung geht zurück. Ein erneuter Anstieg mit neuer Aschebildung ist damit unwahrscheinlicher geworden, aber nicht ausgeschlossen – der Ätna kann seine Aktivität ohne Vorwarnung ändern. Der zweite Faktor ist die Abarbeitung der Warteschlange, und die hängt schlicht daran, wie viele zusätzliche Sitzplätze die Gesellschaften in den nächsten Tagen bereitstellen.

Als Orientierung aus vergleichbaren Fällen: Der reguläre Flugplan läuft meist innerhalb von ein bis zwei Tagen nach Freigabe wieder weitgehend planmäßig. Bis alle umgebuchten Passagiere befördert sind, vergehen in der Hochsaison eher drei bis fünf Tage. Wer in dieser Woche fliegt, sollte also mit Betrieb rechnen – aber nicht mit Reserven.

Häufige Fragen

Fliegt Catania jetzt wieder normal?

Der Flughafen ist seit dem 15. August, 14 Uhr, uneingeschränkt geöffnet und wickelt Ankünfte und Abflüge ab. Der Flugplan ist aber noch nicht vollständig wiederhergestellt: Es kommt weiter zu Verspätungen und einzelnen Annullierungen, und ein Teil der Passagiere aus der Sperrungswoche wartet noch auf eine Ersatzverbindung.

Soll ich meinen Flug nach Catania umbuchen?

In der Regel nicht. Der Betrieb läuft, und eine freiwillige Umbuchung ist in der Hochsaison teuer und selten nötig. Sinnvoll ist stattdessen, den Flugstatus am Reisetag zu prüfen und bei knappen Anschlüssen einen Puffer einzuplanen.

Bekomme ich eine Entschädigung, wenn mein Flug wegen der Asche ausfiel?

Eine pauschale Ausgleichszahlung steht Ihnen bei Vulkanasche als außergewöhnlichem Umstand nicht zu. Sehr wohl bestehen bleiben aber der Anspruch auf Betreuungsleistungen wie Verpflegung und Unterbringung sowie das Wahlrecht zwischen Ersatzbeförderung und Erstattung des Ticketpreises.

Kann der Flughafen erneut schließen?

Möglich ist das grundsätzlich, solange am Ätna Aktivität stattfindet – eine Sperrung folgt automatisch, wenn eine Aschewolke in die Flugrouten getragen wird. Aktuell spricht die Entwicklung der Messwerte allerdings für eine Beruhigung. Den laufenden Stand halten wir im Ätna-Live-Ticker fest.

Kann ich meinen Sizilien-Urlaub wie geplant antreten?

Ja. Die Eruption betrifft die unbewohnte Valle del Bove an der Ostflanke des Ätna, nicht die Städte, Küsten oder Inseln. Eingeschränkt ist derzeit vor allem der Zugang zur Gipfelzone des Vulkans; alles andere – von Palermo über das Val di Noto bis zu den Äolischen Inseln – ist uneingeschränkt bereisbar.

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Den vollständigen Ablauf der Sperrung mit allen Etappen dokumentiert unsere Chronologie zum Flugstopp am Flughafen Catania. Die aktuelle Vulkanlage verfolgen wir laufend im Ätna-Live-Ticker.

Wenn Sie eine Reise verschieben, umplanen oder neu zusammenstellen möchten: Unser angeschlossenes Reisebüro unterstützt Sie bei der Auswahl und Buchung passender Unterkünfte, Pauschalreisen und einzelner Reisebausteine. Eine unverbindliche Anfrage genügt.

Stand: 16. August 2026. Angaben zu Flugbetrieb, Vulkanlage und Sonderverbindungen ändern sich kurzfristig. Bitte prüfen Sie den Flugstatus vor der Fahrt zum Flughafen bei Ihrer Fluggesellschaft und die Vulkanlage bei den zuständigen Stellen.