Rund 1,5 Kilometer nordöstlich von Panarea haben Forscher des Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia (INGV) einen bislang unbekannten Unterseekrater entdeckt – mitsamt neuen, aktiven Hydrothermalschloten. Der Fund vom Sommer 2026 zeigt, dass das vulkanisch-hydrothermale System rund um die kleinste bewohnte Äolische Insel deutlich ausgedehnter ist als bisher angenommen. Hier die Fakten zur Entdeckung, ihre Bedeutung für das Vulkanmonitoring – und was sie für einen Besuch der Äolischen Inseln bedeutet.
Die Entdeckung im Überblick
- Was: neu entdeckter Unterseekrater mit aktiven Hydrothermalschloten (Gasaustritt)
- Größe: etwa 100 × 60 Meter
- Tiefe: 60 bis 80 Meter unter der Meeresoberfläche
- Lage: rund 1,5 km nordöstlich von Panarea, entlang der tektonischen Linie zum Felsen Basiluzzo
- Entdeckt von: INGV (federführend), gemeinsam mit der Stazione Zoologica Anton Dohrn (SZN), dem Centro Marino Sicilia, dem Centro Marino Calabria (CRIMAC) und der Universität Padua
- Methode: Multibeam-Vermessung im Projekt IDMAR, Verifizierung per Unterwasserroboter (ROV) im Juli 2026
- Bekanntgabe: 5. August 2026, offizielle Pressemitteilung des INGV
Wie die Forscher den Krater fanden
Entdeckt wurde das Areal im Rahmen von IDMAR (Infrastruttura Distribuita Multidisciplinare per la Ricerca Marina), einem mit Mitteln des sizilianischen EU-Regionalprogramms PO FESR 2014–2020 finanzierten Forschungsprojekt. Das Team der INGV-Sektion Palermo kartierte den Meeresboden nordöstlich von Panarea mit Multibeam-Sonar und werteten die Daten per GIS-Analyse aus – koordiniert von Manfredi Longo. Dabei fielen ungewöhnliche Geländeformen auf, die auf ein bislang unbekanntes hydrothermales System hindeuteten.
Im Juli 2026 folgte die direkte Verifizierung: Ein von der Universität Padua gestellter, ferngesteuerter Unterwasserroboter (ROV) unter der Leitung von Marco Munari (SZN) tauchte zum Fundort ab und bestätigte aktive hydrothermale Gasaustritte sowie hohe Emissionsraten am Meeresboden.
Was den Fund besonders macht
Der Krater zeigt eine intensive Entgasung, die sich über Wände und Boden verteilt. Die neu entdeckten hydrothermalen Schlote ähneln morphologisch der Formation „Smoking Land“, die 2015 nahe dem Felsen Basiluzzo identifiziert wurde – einem bereits bekannten Hotspot vulkanischer Aktivität vor Panarea. Laut den zuständigen INGV-Forschern der Sektion Milazzo (Antonino Torre, Agostino Semprebello und Alessandro Gattuso) legt der Fund nahe, die bekannte Ausdehnung des submarinen Hydrothermalsystems neu zu bewerten.
Auch aus biologischer Sicht ist die Entdeckung interessant: In Bereichen mit geringerer hydrothermaler Aktivität fanden die Forscher Lebensgemeinschaften aus grünen Algen der Familie Udoteaceae und Gorgonien der Art Eunicella singularis. Im Kraterbereich mit intensiver Entgasung dominieren dagegen ausgedehnte Bakterienmatten, während Algen und sessile Organismen dort kaum vorkommen – ein Muster, wie es für extreme, gasreiche Lebensräume typisch ist. Die Stazione Zoologica Anton Dohrn sieht darin die Chance, solche Standorte künftig als natürliche Freiluftlabore für die Erforschung von Ökosystemen unter Extrembedingungen zu nutzen, etwa im Kontext des Klimawandels.
Bedeutung für das Vulkanmonitoring
Panarea gilt als Teil des aktiven Vulkanbogens der Äolischen Inseln, zusammen mit Stromboli und dem Ätna eines der am genauesten überwachten vulkanischen Gebiete Italiens. Die INGV-Sektion Palermo forscht laut eigenen Angaben seit über zwanzig Jahren zur Vulkanologie der Äolischen Inseln (Direktor: Antonio Paonita). Ein größeres und aktiveres Hydrothermalsystem als bisher bekannt bedeutet für die Überwachung: Die bestehenden Gefährdungsszenarien müssen aktualisiert und die Beobachtung des Meeresbodens nordöstlich von Panarea ausgeweitet werden. Konkrete neue Risikoeinstufungen für die Insel selbst hat das INGV mit der Entdeckung nicht veröffentlicht – die Forscher sprechen von einer Grundlage für vertiefte künftige Untersuchungen, nicht von einer akuten Warnung.
Gefahr für Taucher und Urlauber?
Für Sizilien- und Äolien-Reisende ändert sich durch die Entdeckung zunächst nichts Akutes. Der neue Krater liegt in 60 bis 80 Metern Tiefe – deutlich unterhalb der Grenze des touristischen Sport- und Schnorcheltauchens (meist bis 18 bis 40 Meter, je nach Zertifizierung) und ist damit für normale Taucherausflüge rund um Panarea ohnehin nicht erreichbar. Bekannter und für Besucher zugänglich ist dagegen weiterhin das flachere, seit Jahrzehnten beliebte Tauchgebiet vor Basiluzzo mit seinen sichtbaren Gasblasen. Offizielle Stellen haben im Zusammenhang mit dem neuen Fund keine Warnungen für Badegäste, Taucher oder die Inselbevölkerung ausgesprochen. Wer dennoch aktuelle Hinweise sucht, sollte sich vor Ort an die Capitaneria di Porto oder die zuständige Protezione Civile wenden.
Panarea und die Äolischen Inseln: guter Zeitpunkt für einen Besuch
Wer nach der Entdeckung neugierig auf Panarea geworden ist: Die kleine, autofreie Insel gehört zu den exklusivsten Zielen der Äolischen Inseln, ist per Fähre oder Tragflügelboot unter anderem von Milazzo und Lipari erreichbar und lässt sich gut mit einem Ausflug zum „Smoking Land“ bei Basiluzzo verbinden, wo die vulkanische Aktivität der Region bereits seit Jahrzehnten sichtbar ist. Alle Details zu Anreise, Sehenswürdigkeiten und Öffnungszeiten der Insel gibt es auf unserer Panarea-Ortsseite, einen Überblick über alle sieben Äolischen Inseln auf der Übersichtsseite der Äolischen Inseln.
Video: Der Unterseekrater von Panarea
Das folgende Video zeigt den neu entdeckten Unterseekrater vor Panarea und vermittelt einen Eindruck von der hydrothermalen Landschaft am Meeresgrund vor der Insel.
Häufige Fragen zum Unterseekrater vor Panarea
Wie groß und wie tief ist der neue Krater vor Panarea?
Der im August 2026 vom INGV bekanntgegebene Krater misst rund 100 mal 60 Meter und liegt in 60 bis 80 Metern Wassertiefe, etwa 1,5 Kilometer nordöstlich von Panarea.
Ist der neue Unterseekrater gefährlich für Panarea oder Touristen?
Das INGV hat im Zusammenhang mit der Entdeckung keine akute Gefahrenwarnung für die Insel oder für Badegäste veröffentlicht. Der Krater liegt zudem deutlich tiefer, als Sporttaucher normalerweise erreichen. Die Forscher sprechen von einer Grundlage für aktualisierte Monitoring-Szenarien, nicht von einer unmittelbaren Bedrohung.
Wer hat den Krater entdeckt und wie?
Entdeckt hat ihn das Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia (INGV) im Rahmen des Forschungsprojekts IDMAR, zusammen mit der Stazione Zoologica Anton Dohrn, dem Centro Marino Sicilia, CRIMAC und der Universität Padua. Erste Hinweise lieferte eine Multibeam-Vermessung des Meeresbodens, die Bestätigung erfolgte im Juli 2026 per Unterwasserroboter (ROV).
Was ist die „Smoking Land“ bei Panarea?
„Smoking Land“ ist ein 2015 entdecktes hydrothermales Gebiet nahe dem Felsen Basiluzzo, bekannt für sichtbare Gasblasen im flachen Wasser. Der neue, 2026 entdeckte Krater zeigt ähnliche geologische Merkmale und deutet darauf hin, dass das hydrothermale System rund um Panarea größer ist als bislang angenommen.
Kann man den neuen Krater besichtigen oder betauchen?
Nein, in 60 bis 80 Metern Tiefe liegt der Fundort außerhalb der Reichweite des touristischen Sporttauchens. Zugänglich und bei Tauchern beliebt bleibt das flachere Hydrothermalgebiet „Smoking Land“ bei Basiluzzo.
Quellen und Stand: offizielle Pressemitteilung des INGV vom 5. August 2026 sowie begleitende Berichterstattung italienischer Medien. Angaben nach bestem Kenntnisstand zum Redaktionsschluss – für tagesaktuelle Warnungen und Sicherheitshinweise gelten ausschließlich die Mitteilungen von INGV und Protezione Civile.

